Vom Grundnahrungsmittel zum Genussmittel

Die Geschichte unserer Genossenschaft LGV-Frischgemüse geht über 70 Jahre in die Vergangenheit, jene von uns rund 110 Gärtnern noch viel, viel weiter zurück. Damals war Gemüse noch ein überlebensnotwendiges Nahrungsmittel. Heute wählen wir aus einer bunten Palette das frische Gemüse unserer Wahl.

Werfen Sie doch mit uns einen Blick in unsere bewegte Geschichte:


Vor 100 Jahren waren das Wirtschaftssystem und der Handel in Österreich mit heute nicht vergleichbar. Mit dem Ausland wurde so gut wie gar nicht gehandelt. Gemüse war vor allem wichtig, um die Versorgung mit Vitaminen sicher zu stellen und gesund durch den Winter zu kommen. Lauch, Kraut und Karotten zählten zu den wichtigsten Sorten.

Damals nahm die LGV-Frischgemüse ihren Anfang. Einige der alteingesessenen Gärtnerbetriebe in Wien begannen, über eine Zusammenarbeit zu diskutieren. So könnte die Bevölkerung besser mit Gemüse versorgt werden und jeder Gärtner sich auf bestimmte Sorten spezialisieren. Direkt nach dem 2. Weltkrieg, 1946, wurde schließlich die LGV-Frischgemüse gegründet. 1059 Gärtnerbetriebe waren von Anfang an dabei.

1946 - Gründung
Gründerversammlung der neuen Gemüseverkaufsgenossenschaft unter dem Namen „Landwirtschaftliche Gemüse- und Obstverwertungsgesellschaft für Wien und Umgebung, reg. Gen.m.b.H.“.
Mitgliederstand: 1059 Gärtnerbetriebe.

1949 - Auktionsstart
Eröffnung der ersten Veiling-Anlage Österreichs, einer Gemüse-Auktions-Anlage, nach holländischem Muster.

1951- Erste Kühlanlage
Errichtung der ersten Kühlanlage für rund 20 Eisenbahn-Waggons (alte Gewichtsangabe für Gemüse) in Wien Kagran.

1967 - Stadtplanung
Bedrohung der Gemüseanbaubetriebe in Wien Simmering durch groß angelegte Wohnbauprojekte.

1968 - Neue Zentrale
Verlegung der Zentrale der Genossenschaft nach Wien Kagran. Weiterer Ausbau der Betriebsstätten in Simmering und Kagran.

1973 - Heizölschock
Kostenexplosion durch den ersten Heizölschock. Der Druck der hohen Betriebskosten und die beginnende Importliberalisierung führen zu Betriebsstilllegungen.

1976 - Führungswechsel
Dkfm. Karl Nehammer wird neuer Geschäftsführer. Sein langjähriger Vorgänger Dr. Krosnar legt im September seine Funktion zurück.

1977 - Werbung
Gründung eines Werbefonds für Produktwerbung und Absatzförderung durch die Generalversammlung für die Genossenschaft. Neue und zeitgemäße Einwegverpackungen werden entwickelt. Die gelb/roten Wellpappesteigen werde für viele Jahre das Markenzeichen für Wiener LGV-Gemüse. Der Telefonverkauf beginnt.

1979 - Neuer Name
Umbenennung der „Landwirtschaftlichen Gemüse- und Obstverwertungsgesellschaft“ in „LGV-Frischgemüse“. Großer Umbau der Betriebsanlagen in Wien Kagran und Simmering.

1984 - Qualitätsoffensive
Aufbau eines Gemüsemonitorings mit der MA38 –Lebensmitteluntersuchungsanstalt Wien. Dieses Gemüsemonitoring dient dazu, Nitrat- und Pestizidrückstände im Frischgemüse langfristig zu beobachten und aufzuzeichnen. Das Wiener Gemüse wird als das meistgeprüfte und am wenigsten belastete Frischgemüse Europas bekannt. Es startet die Kampagne „Freitag ist Kohltag“.

1985 - Freiwilliges Produkt-Monitoring
Einführung eines freiwilligen Produkt-Monitorings. Jährlich werden mehrere hundert Proben auf Pflanzenschutzmittel, Nitratgehalt sowie auf die mikrobiologische Einwandfreiheit analysiert.

1986 - Tschernobyl
26. April: Die Katastrophe von Tschernobyl und Zusammenbruch des Gemüseabsatzes.

In Folge der Katastrophe bricht der Gemüseabsatz bei der LGV-Frischgemüse für einige Wochen zusammen, mehr als 15.000 Tonnen Freilandgemüse sind unverkäuflich. Dies ist der schwerste wirtschaftliche Schlag in der Geschichte der LGV-Frischgemüse. 14 Tage nach dem Supergau wird dank strengster Untersuchungen durch die Forschungsanstalt Seibersdorf der Gemüseanbau im geschützten Anbau freigegeben. Der Stellenwert der Unterglasproduktion für die Versorgungssicherheit der Bevölkerung wird neu definiert.

1990 - Zentralverkauf
Einführung des Zentralverkaufs bei LGV-Frischgemüse zur Vereinheitlichung des Angebots an die Handelsketten.

1992 - Kooperation mit SGV
Eine Vermarktungs-Kooperation mit der Sonnengemüse Vertriebsgesellschaft m.b.H. aus dem Burgenland wird ins Leben gerufen.

1995 - EU-Beitritt
EU-Beitritt Österreichs: Die Importregelung fällt in drei Phasen. Die Konkurrenzsituation für die heimischen Gemüseproduzenten verschärft sich und der Gemüseanbau gerät unter Druck: Die Erzeugerpreise fallen innerhalb eines Jahres um ein Drittel!
Zusätzlich muss LGV-Frischgemüse Umsatzeinbussen aus der Pleite der Handelskette Konsum verkraften.
Dennoch kann in diesem Jahr die ÖPUL, die Richtlinie für Integrierte Produktion, erfolgreich eingeführt werden.

1996 - Eröffnung
Feierliche Eröffnung der neugebauten Betriebsanlagen in Wien Simmering. Einführung des AMA-Gütesiegels bei einigen ersten Produkten.

1997 - Obst- und Gemüseviktor
Fertigstellung des Neubaus der LGV-Frischgemüse in Raasdorf.

LGV-Frischgemüse ruft gemeinsam mit der steirischen OPST und dem Fachjournal REGAL die Branchenprämierung „Obst- und Gemüseviktor“ ins Leben, eine Auszeichnung im Lebenmittelhandel, die jährlich die die beste Obst- und Gemüseabteilung im Handel kürte.

1999 - Anerkennung
Anerkennung von LGV-Frischgemüse als Erzeugerorganisation nach EU-Verordnung.

2001 - Qualitätsmanagement

Zertifizierung des Qualitätsmanagementsystems von LGV-Frischemüse nach ISO 9001 (Basis 2000) und des Hygienemanagementsystems HACCP.

2002 - Umweltmanagement
Zertifizierung des Umweltmanagements der LGV-Frischgemüse nach der ISO 14001-Verordnung (Basis 1996)

2003 - Auszeichnung
Zertifizierung der LGV-Frischgemüse und seiner Gärtnerbetriebe nach dem EurepGap-Standard und mit dem AMA-Gütesiegel.

2004 - Zertifizierung
Zertifizierung der LGV-Frischgemüse und seiner Gärtnerbetriebe nach dem IFS – International Food Standard

2006 - Führungswechsel
60. Generalversammlung der LGV-Frischgemüse: Mag. Gerald König wird vom Aufsichtsrat zum neuen Alleinvorstand des Traditionsunternehmens LGV-Frischgemüse bestimmt. Sein Vorgänger, KR Dkfm. Karl Nehammer, verabschiedet sich nach 30 erfolgreichen Jahren in den Ruhestand.

2008 - Gurkensortierung
Bei LGV-Frischgemüse wird Europas größte Gurkensortieranlage in Betrieb genommen.

2010 - Fernseh-Werbung
Bei LGV-Frischgemüse werden erstmals in der Geschichte TV-Werbespots gedreht und ausgestrahlt.

2011 - EHEC-Krise
Die durch verseuchte deutsche Sprossen ausgelösten EHEC-Infektionen führen zu enormen Absatzeinbrüchen bei Gurken. 1,6 Millionen Gurken können nicht verkauft werden.

2012 - Ende der Kooperation mit SGV
Die Kooperation mit der Sonnengemüse Vertriebsgesellschaft m.b.H. wird nach 20 Jahren Zusammenarbeit aufgelöst.

2014 - Ökostrom-Anlage
LGV-Frischgemüse und Wien Energie eröffnen größtes Aufdach-Bürgersolarkraftwerk Wiens bei der LGV-Frischgemüse.

2015 - Führungswechsel
Mag. Gerald König, seit 2006 Alleinvorstand der LGV-Frischgemüse, verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Ihm folgen Mag. (FH) Florian Bell, MBA, als Vorstandsvorsitzender für Betrieb, Einkauf, EDV, Finanzen und Personal und Michael Wehofer als Vorstand für Vertrieb, Marketing und PR, Planung sowie Qualitätsmanagement nach.